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VfL Hammonia: Als Mixed-Team in der Kreisklasse

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Wer die Website des Amateurklubs VfL Hammonia aus Hamburg besucht, wird mit einer freundlichen Begrüßung empfangen. "Fußball, Gemeinschaft und ganz viel Herz - mitten im Schanzenviertel. Seit über 100 Jahren ist der VfL Hammonia das gallische Dorf der Hamburger Fußballromantik. Idyllisch an einem Hochbunker gelegen, schmiegt sich unser Dorfverein in den Schanzenpark (…). Was mal als Käfig anfing, ist nun eine Kunstrasenoase, in der sich fast alles um den Ball dreht", heißt es dort.

"Diese Selbstbeschreibung kann ich tatsächlich genauso bestätigen. Hammonia ist ein sehr familiärer Verein, bei dem sich jeder willkommen fühlt", sagt Victoria zu Klampen, die als Mittelfeldspielerin das Trikot des Klubs aus dem Schanzenviertel unweit der Reeperbahn trägt. Das Besondere: In der Kreisklasse tritt die vierte Mannschaft von Hammonia als Mixedteam an - neben rund 20 Männern gehören auch fünf Frauen zum Kader. Wie kam es dazu? Und welchen Herausforderungen sieht sich das Team im Ligaalltag konfrontiert?

Alles angefangen habe es "als Freundesgruppe, die in ihrer Freizeit auf Bolzplätzen oder Schulhöfen ein bisschen gekickt hat", erinnert sich Lesu Zander, der gemeinsam mit Leonardo Shahin als Spielertrainer der vierten Mannschaft von Hammonia fungiert. Louisa Sylla, die ebenfalls von Anfang dabei ist, fügt hinzu: "Für viele Spieler*innen war es eine coole Gelegenheit, regelmäßig einen Mannschaftssport betreiben zu können, ohne sich von Anfang an total committen zu müssen. Als die Truppe immer größer geworden ist, haben wir uns aber nach einem Jahr gesagt, dass es cool sein könnte, auch am Ligabetrieb teilzunehmen."

<h4>"'Gerne könnt ihr bei uns mitspielen: Die Männer in der Herrenmannschaft, und die Frauen im Damenteam' - genau das wollten wir nicht"</h4>

Zunächst sei man sich allerdings unsicher gewesen, ob das überhaupt möglich sein würde, wie Shahin erzählt. "Klar, im Jugendfußball kommt es häufiger vor, dass in einer Jungsmannschaft mal ein Mädchen dabei ist. Aber im Erwachsenenbereich ist es eher unüblich, dass Frauen und Männer zusammenspielen." Doch für die Freundesgruppe gab es damals gute Nachrichten: Nur wenige Jahre zuvor, im Sommer 2022, hatte der DFB einen neuen Beschluss gefasst, der es Frauen ermöglicht, im Amateurfußball in Männerteams mitzuspielen. Möglich ist das seitdem von der Kreisklasse bis in die Landesliga.

Der Weg in den organisierten Ligabetrieb stand für die Mannschaft damit offen. Doch man habe schnell realisiert, dass sich diese wegweisenden Neuregelung "im Hamburger Amateurfußball damals noch nicht rumgesprochen hatte", wie Zander erzählt. "Wir haben in Hamburg rumtelefoniert, aber bei vielen Klubs hieß es nur: 'Gerne könnt ihr bei uns mitspielen: Die Männer in der Herrenmannschaft, und die Frauen im Damenteam.' Aber genau das wollten wir ja nicht, denn unser Ziel war, weiterhin zusammenzuspielen."

Positive Reaktionen statt dummer Sprüche

Dieser Wunsch sollte sich wenig später beim VfL Hammonia erfüllen. "Nach einem ersten Kennlerntreffen, bei dem wir dem Klub unser Projekt vorgestellt haben, war für beide Seiten schnell klar, dass es passt. Es war schön zu sehen, dass der Verein richtig Bock darauf hatte", so Victoria zu Klampen. Auch die Anmeldung beim Hamburger Fußball-Verband (HFV) sei unkompliziert abgelaufen, und so habe man bereits wenig später als vierte Mannschaft von Hammonia offiziell am Ligabetrieb teilnehmen können.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Dort sorgt das Team noch immer für überraschte Gesichter bei dem ein oder anderen Gegenspieler. "Viele erwarten natürlich nicht, gegen eine gemischte Mannschaft anzutreten, und sind dementsprechend überrascht. Ich glaube aber nicht, dass das unbedingt negativ gemeint ist. Natürlich gibt es hin und wieder einen dummen Spruch, aber größtenteils sind die Reaktionen positiv und uns wird Respekt gezollt", sagt Louisa Sylla.

Auch sportlich läuft es für Hammonia IV immer besser: Nachdem das Team zum Saisonbeginn die ein oder andere deutliche Klatsche hinnehmen musste, gelang am 11. Spieltag mit einem 4:2 gegen den Störtebeker SC II der erste Saisonsieg. Bis zur Winterpause folgten zwar wieder einige Niederlagen, die allerdings wesentlich knapper als in den ersten Spielen ausfielen. Und so zeigt sich die Mannschaft rund um das Spielertrainerduo Zander/Shahin vor dem Heimspiel gegen den FC Alsterbrüder IV am kommenden Wochenende zuversichtlich, in der Rückrunde weitere Zähler holen zu können. Im Vordergrund stehe aber ohnehin der "gemeinsame Spaß am kicken", wie Shahin betont.  

Autor*in
Autor/-in: Yannic Lacombe