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Traditionsklub VfR Mannheim: Mit Derbysieg in den DFB-Pokal?

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Der VfR Mannheim ist zurück auf der bundesweiten Ebene. Der deutsche Meister von 1949, der als erster Klub die damals neu angefertigte Meisterschale überreicht bekam, nimmt in diesem Jahr erstmals am "Finaltag der Amateure" teil. Im Endspiel um den Verbandspokal von Baden wartet am Samstag, 23. Mai, der Drittligist und Stadtrivale SV Waldhof Mannheim auf den Tabellenzweiten der Oberliga Baden-Württemberg.

"Wir freuen uns alle riesig auf dieses Highlight", erklärt VfR-Sportvorstand Ali Ibrahimaj im Gespräch mit FUSSBALL.DE. "Für die Stadt und die Region ist das ein tolles Ereignis. Schon unsere Testspiele gegen den Waldhof waren gut besucht. Aber an ein Pflichtspiel gegeneinander kann ich mich zumindest nicht erinnern."

Viele Jahre erstklassig

In der Tat liegen diese Duelle schon einige Zeit zurück. In der Saison 2019/2020 stand der VfR als damaliger Verbandsligist dem benachbarten Favoriten schon einmal im Verbandspokal-Viertelfinale (0:3) gegenüber. Duelle im Ligabetrieb gab es zuletzt 2007/2008 in der Oberliga Baden-Württemberg, als diese noch die vierthöchste Spielklasse war. Aber auch auf höchster Ebene waren die Stadtrivalen bereits Ligakonkurrenten. Schließlich gehört der VfR zu den nur sieben Vereinen, die vor der Einführung der Bundesliga alle 18 Spielzeiten in der damals erstklassigen Oberliga Süd erlebt haben.

Platz zwölf reichte dem VfR Mannheim allerdings nicht, um sich 1963 für die neue höchste Spielklasse zu qualifizieren. Bis zum ersten Jahr der Einführung der 2. Bundesliga Süd (1974/1975) hielt sich der Klub fast durchgehend in der zweithöchsten Spielklasse. Bis 2002 war der VfR ununterbrochen drittklassig, ehe die Mannheimer - teilweise auch aufgrund von finanziellen Problemen - zwischenzeitlich sogar zweimal bis in die sechstklassige Verbandsliga Baden abrutschten.

Oberliga-Aufstieg als Spieler

Mit der bald anstehenden Teilnahme am "Finaltag der Amateure" setzt sich beim VfR Mannheim eine Erfolgsserie fort, die eng mit Ali Ibrahimaj verbunden ist. Der inzwischen 34 Jahre alte Ex-Profi kam im August 2021 zunächst als Spieler zum VfR. Nach Platz drei im ersten Jahr gelang in der darauffolgenden Saison 2022/2023 als Meister der Wiederaufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg.

Nachdem es beruflich bedingt für den Geschäftsführer eines Unternehmens, das sich auf die Beschaffung, Logistik und Testung von elektronischen Bauteilen konzentriert, "immer schwieriger wurde, selbst auf dem Platz zu stehen", übernahm der ehemalige Zweit- und Drittligaspieler, der von 2015 bis 2017 auch selbst für den Nachbarn SV Waldhof am Ball war, im Februar 2024 zunächst eine beratende Funktion, ehe er im folgenden September zum Sportvorstand ernannt wurde. Seitdem ist er gemeinsam mit Sportdirektor Hakan Atik federführend für die erste Mannschaft verantwortlich.

Achtelfinale als "Push"

Das Finale gegen den SV Waldhof Mannheim ("Das war die schönste Station meiner Karriere. Sofern es für mich zeitlich möglich ist, gehe ich auch heute noch ins Stadion") ist für den gebürtigen Rüsselsheimer nicht das einzige Wiedersehen mit einem seiner ehemaligen Vereine im Verbandspokal Baden. Im Halbfinale wurde der aktuelle Südwest-Regionalligist SV Sandhausen, für den Ibrahimaj in der Saison 2017/2018 noch in der 2. Bundesliga gekickt hatte, nach Elfmeterschießen 7:6 bezwungen.

"Da uns derzeit nur eine Liga trennt, wussten wir, dass wir uns mit unserer Qualität etwas ausrechnen können. Und so sind wir auch in das Spiel gestartet", erinnert sich Ibrahimaj zurück. In den Runden zuvor hatte es der VfR überwiegend mit klassentieferen Teams zu tun. Einzige Ausnahme war das Achtelfinale, in dem der Ligakonkurrent 1. CfR Pforzheim (8:7 nach Elfmeterschießen) ausgeschaltet wurde. "Das hat uns für die weitere Saison einen Push gegeben", meint der Sportchef.

Denn auch in der Meisterschaft spielt der VfR Mannheim eine gute Rolle. Mit 53 Zählern nach 24 Begegnungen steht aktuell der zweite Platz zu Buche, der am Saisonende die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Südwest bedeuten würde. Tabellenführer VfR Aalen ist nach dem zurückliegenden direkten Duell (1:1) zwar nur zwei Punkte entfernt, der Meisterschaftskonkurrent hat allerdings noch eine Partie weniger absolviert. "Um den VfR noch abfangen zu können, hätten wir vermutlich das Topspiel gewinnen müssen", meint Ali Ibrahimaj. "Wenn Aalen aber noch etwas liegen lässt, dann wollen wir aber zur Stelle sein. Zur Not werden wir alles probieren, es über die Aufstiegsspiele in die Regionalliga Südwest zu schaffen. Und wenn das nicht klappen sollte, nehmen wir in der nächsten Saison eben einen neuen Anlauf."

Als eine der größten Stärken nennt der Sportvorstand den "Zusammenhalt des Teams. Zu Saisonbeginn haben wir außerdem weitere Qualität dazubekommen. Wir sind spielerisch stark und verfolgen einen ballbesitzorientierten Ansatz. Durch unsere erfahrenen Jungs lassen wir uns in den Spielen auch von Rückschlägen nicht beeinflussen."

Alexander Esswein als Anführer

Der VfR Mannheim kann dabei auf eine ganze Reihe an Spielern zurückgreifen, die schon höherklassig aktiv waren. "Wir überzeugen die Jungs, indem wir ihnen zeigen, was außerhalb des Platzes möglich ist. Wir bieten zum Beispiel mit der Vermittlung von Ausbildungsplätzen Perspektiven für die Zeit nach der aktiven Laufbahn." So hat etwa Angreifer Erich Berko neben 143 Zweitligapartien auch 128 Einsätze in der 3. Liga in seiner Vita stehen. Außenverteidiger Robin Becker hat 40 Spiele in der 2. Bundesliga sowie 92 Begegnungen in der dritthöchsten Spielklasse bestritten. Auch Linksverteidiger Luca Stellwagen (65) und Mittelfeldspieler Sven Mende (43) waren schon in der 3. Liga am Ball.

Besonders sticht allerdings Kapitän Alexander Esswein mit der Bilanz von 14 Länderspielen für die U 21-Auswahl des DFB, 196 Bundesligapartien, 81 Einsätzen in der 2. Bundesliga sowie 62 Begegnungen in der 3. Liga heraus. "Alexander ist nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch herausragend", lobt Ali Ibrahimaj. " Er ist ein absoluter Glücksgriff für uns. Wenn man ihn auf dem Platz sieht, merkt man sofort, dass er fast 200 Bundesliga-Spiele bestritten hat. Er gibt außerdem in jedem Training 100 Prozent. Mit seiner Intensität reißt er auch seine Mitspieler mit und macht uns als Team noch besser."

Ein besonders gutes Spiel wird vom VfR Mannheim am "Finaltag der Amateure" gegen den Lokalrivalen SV Waldhof gefragt sein. "Uns ist bewusst, dass mit dem Waldhof noch eine ganz andere Nummer als mit dem SV Sandhausen auf uns wartet", betont der Sportvorstand des Außenseiters. "Wir sind in der Situation, das Endspiel genießen zu können. Dabei werden wir aber garantiert nichts herschenken. In einem Spiel kann schließlich alles passieren. Wir wollen mit Selbstvertrauen auftreten und uns nicht verstecken, damit wir am Ende sagen können, dass wir alles auf dem Platz gelassen haben." Und wer weiß? Vielleicht nimmt der VfR Mannheim in der kommenden Spielzeit als Gewinner des Verbandspokals Baden erstmals seit der Saison 2001/2002 wieder am DFB-Pokal teil.

Autor*in
Autor/-in: Dominik Dittmar/MSPW