Lotta Radau als ehrenamtliche Schiedsrichterin zu Olympia:
Lotta Radau hat mit 13 Jahren ihr erstes Fußballspiel als Schiedsrichterin geleitet. Über ihr Ehrenamt war sie eine von 40 Jugendlichen, die mit dem Deutschen Olympischen Jugendlager - organisiert von der Deutschen Sportjugend (dsj) und der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) im Auftrag des DOSB - zu den Olympischen Winterspielen nach Italien reisen durfte.
Was sie in Mailand und Cortina als Zuschauerin, aber was sie als Schiedsrichterin selbst schon erlebt hat, berichtet 16-Jährige im FUSSBALL.DE-Interview.
FUSSBALL.DE: Wie kam es dazu, dass du als ehrenamtliche Fußball-Schiedsrichterin mit zu den Olympischen Winterspielen reisen durftest?
Lotta Radau: Ich habe auf Instagram ein Video gesehen, in dem stand, dass man sich als Ehrenamtliche*r für eine Bildungsreise zu Olympia bewerben kann. Da dachte ich: Ich möchte da unbedingt hin - ich probiere es einfach. Man brauchte eine Befürwortung, also habe ich beim DFB nachgefragt. Dort habe ich ein Schreiben bekommen. Danach musste ich Fragen beantworten und ein Bewerbungsvideo drehen. Zwei Monate später - ich war gerade im Urlaub - kam die Nachricht, dass ich dabei bin.
Wie hast du den Moment erlebt, als du die Zusage bekommen hast?
Radau: Ich saß gerade im Restaurant, als die Mail kam. Ich habe sofort angefangen zu grinsen, und alle haben mich gefragt, was los ist. Wir haben erst mal gefeiert.
<h4>"Menschen aus allen Ländern, alle freundlich, alle feiern gemeinsam - diese Stimmung gibt es nur bei Olympia"</h4>
Welche Sportarten hast du dir angeschaut?
Radau: Ich wusste ziemlich genau, was ich gerne sehen will: Skispringen, und das hat auch geklappt. Ich bin seit Jahren großer Fan. Mein Ziel war es, Sven Hannawald zu treffen, und tatsächlich habe ich ihn schon in der ersten Viertelstunde gesehen. Am Ende gab es sogar ein Selfie und ein Autogramm. Insgesamt habe ich an dem Tag 26 Autogramme gesammelt.
Wie war die Atmosphäre bei den verschiedenen Wettbewerben?
Radau: Einfach besonders. Menschen aus allen Ländern, alle freundlich, alle feiern gemeinsam - egal, welche Nation gerade startet. Diese Stimmung gibt es nur bei Olympia. Wir haben zum Beispiel live gesehen, wie die Italienerin Lisa Vittozzi im Biathlon gewonnen hat. Das war Gänsehaut pur.
Was stand neben den Wettkämpfen auf dem Programm?
Radau: Wir hatten sechs Tickets für Wettkämpfe, zwei in Mailand und vier in Cortina d'Ampezzo, Antholz und Predazzo. Außerdem haben wir Politiker*innen getroffen - unter anderem den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender. Er hat sich anderthalb Stunden Zeit für uns genommen. Außerdem gab es Workshops zu Ehrenamt und olympischen Werten sowie einen Austausch mit italienischen Jugendlichen. Und natürlich haben wir die Städte erkundet.
<h4>"Mein erstes Spiel war ein Freundschaftsspiel in der F-Jugend: Ich war total überfordert, aber es war ein tolles Erlebnis"</h4>
Du bist ja über deine Tätigkeit als Schiedsrichterin zu den Spielen gereist. Wie bist du denn Schiri geworden?
Radau: Ich habe mit 13 angefangen, obwohl der Schein eigentlich erst ab 14 möglich ist. Mit einer Ausnahmegenehmigung ging es früher. Mein erstes Spiel war ein Freundschaftsspiel in der F-Jugend zwischen einer Mannschaft aus Heimsheim und einem Klub aus China. Ich war total überfordert, aber es war ein tolles Erlebnis. Direkt beim ersten Spiel musste ich einen Wimpel unterschreiben - und es stand sogar in der Zeitung.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Radau: Wir hatten Schulungen dienstags und donnerstags, teils online, teils in Präsenz. Man lernt die Regeln, wird auf Spielsituationen vorbereitet und bekommt Sicherheit. Mein erstes Pflichtspiel hatte ich mit 14 in der D‑Jugend. Danach ging es weiter zur C‑ und später zur B‑Jugend.
Wie viele Spiele hast du inzwischen gepfiffen?
Radau: Ich bin seit etwa zweieinhalb Jahren dabei und habe bis jetzt mehr als 50 Spiele gepfiffen.
Gab es schon kritische Situationen?
Radau: Natürlich. Vor allem im Strafraum muss man extrem aufmerksam sein. Einmal war ein Loch im Tornetz, und ich konnte nicht erkennen, ob der Ball drin war oder nicht. Von außen kommen manchmal unschöne Worte, aber ich sehe die Schiedsrichterei als Hobby. Ich liebe Fußball, und ohne Schiris geht es nicht.
Was wünschst du dir für den Umgang mit Schiedsrichter*innen?
Radau: Vor allem von außen mehr Respekt. Kommunikation auf dem Platz finde ich wichtig, und ich bekomme oft positives Feedback dafür. Aber Eltern und Trainer*innen sollten sich bewusst sein, dass es nur ein Sport ist. Gerade im Jugendbereich schadet schlechtes Verhalten eher den eigenen Kindern als dem Schiri.
Was würdest du jungen Menschen sagen, die überlegen, Schiedsrichter*in zu werden?
Radau: Einfach ausprobieren. Vor allem als Mädchen hat man gute Chancen, mal höher zu pfeifen, weil es noch nicht so viele Schiris gibt. Die Schiedsrichterei bringt einen persönlich weiter. Man entwickelt Selbstbewusstsein, ändert sein Auftreten und lernt, Entscheidungen zu treffen. Man sollte aus jedem Spiel etwas mitnehmen und auch nach schlechten Spielen nicht aufgeben.
