Samet Altun: Vom Breakdance und Basketball zum Kreisliga-Knipser
Samet Altun (34) vom ESV Hohenbudberg hat nach 23 Einsätzen in der Kreisliga A Moers bereits 41 Treffer erzielt und liegt in der bundesweiten Wertung zur Torjägerkanone für alle in der 8. Liga auf Platz zwei. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht der dreifache Familienvater, der beruflich als Elektrotechniker tätig ist, über Thierry Henry sowie seine Erfahrungen als Breakdancer und Basketballer.
FUSSBALL.DE: Ihr Team hat mit 91 Treffern mit Abstand die meisten Tore in der Kreisliga A Moers erzielt, ist aber nur Tabellenfünfter. Wie kann das sein, Herr Altun?
Samet Altun: Drei gute Spieler hatten uns in der Winterpause verlassen, hinzu kamen einige verletzungsbedingte Ausfälle. Außerdem sind wir als Team mit einem Altersdurchschnitt von etwas mehr als 30 Jahren schon relativ alt. Die meisten von uns sind Familienväter. Ich selbst habe drei Kinder, bin mit meiner Kernsanierung am Haus auch zeitlich sehr eingeschränkt. Bei konterstarken Gegnern, mit größtenteils jüngeren Spielern, macht sich die nicht optimale Fitness schon mal bemerkbar.
Sie könnten zum dritten Mal in Folge bester Torschütze im Kreis werden, haben bereits 41 Treffer auf Ihrem Konto. Werden Sie Ihren persönlichen Rekord knacken?
Altun: In der Saison 2023/2024 sind mir 46 Tore gelungen. Sollte ich verletzungsfrei bleiben, bin ich mir sicher, dass die Rekordmarke, die Felix Terlinden von Borussia Veen in der Saison 2022/2023 mit 51 Toren aufgestellt hatte, knacken werde. Aktuell werde ich von meinen Mitspielern sehr gut "gefüttert", lasse nur ganz wenig liegen. (lacht)
<h4>"Meine Bänder sind sehr gut gedehnt, ich kann einen Ball auch aus zwei Metern Höhe aus dem Stand ohne Probleme mit dem Fuß herunterholen"</h4>
Wie sehr profitieren Sie heute noch von Ihrer jahrelangen Erfahrung als Breakdancer?
Altun: Als ehemaliger Breakdancer bringe ich eine ganz andere Athletik als viele andere Fußballer mit. Meine Bänder sind sehr gut gedehnt, ich kann einen Ball auch aus zwei Metern Höhe aus dem Stand ohne Probleme mit dem Fuß herunterholen. Außerdem kann ich mich in den Eins-gegen-Eins-Situationen ganz gut durchsetzen, orientiere mich dabei an meinem früheren Vorbild Thierry Henry, den ich zu seiner Zeit beim FC Arsenal und beim FC Barcelona wegen seiner Spielweise sehr bewundert hatte.
Wie lange waren Sie als Breakdancer unterwegs?
Altun: Ich hatte 1996 angefangen und 2011 nach einem Schulterbruch damit aufgehört. Ich nahm an Battles teil, hatte mehrere kleine Auftritte im Theater am Marientor in Duisburg. Bei einigen Konzerten war ich sogar als Background-Tänzer im Einsatz.
Beim jüngsten 4:2-Auswärtserfolg beim SV Millingen haben Sie nicht getroffen. Wie genervt sind Sie, wenn Sie leer ausgehen?
Altun: Ich war total verärgert, weil meine Serie ausgerechnet gegen das Tabellenschlusslicht gerissen ist. In den Spielen davor hatte ich immer mindestens einen Treffer erzielt. In dieser Partie wollte der Ball einfach nicht ins Tor.
Gibt es bei Ihnen vor dem Spiel ein besonderes Ritual?
Altun: Am Sonntag wird immer gut gefrühstückt. Ich esse immer Haferflocken mit Bananen und Erdbeeren, bevor ich zum Sportplatz fahre. Vor dem Spiel gönne ich mir immer einen Schokoriegel. (lacht)
Die Torjägerkanone für alle gibt es bereits seit sieben Jahren. Warum werden Sie am Saisonende die Trophäe in den Händen halten?
Altun: Aktuell habe ich drei Treffer Rückstand auf den Führenden Jonas Telschow vom Kirchhörder SC. Ich habe das Ranking im Blick, werde alles daransetzen, dass ich derjenige sein werde, der die Torjägerkanone gewinnt.
Was würde Ihnen der Gewinn der Trophäe bedeuten?
Altun: Das würde mich extrem stolz machen und wäre eine tolle Geschichte, die man später seinen Enkelkindern erzählen kann. Ich bin leidenschaftlicher Fußballer und würde mich über den Gewinn der Torjägerkanone für alle unheimlich freuen.
In Ihrer Laufbahn haben Sie schon einiges erlebt. Was war Ihr persönliches Highlight?
Altun: Im Spiel beim FC Moers-Meerfeld sind mir beim 9:0-Sieg mal sieben Tore gelungen. In der Saison 2016/2017 hatten wir ein Testspiel beim MSV Duisburg. Bei der 0:7-Niederlage hatte ich meinen Gegenspieler in manchen Szenen alt aussehen lassen. (lacht)
Allein in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren haben Sie 125 Treffer in der Kreisliga A erzielt. Warum bekommt man Sie einfach nicht in den Griff?
Altun: Ich bin zwar nicht der Schnellste, dafür aber sehr wendig. Wenn ich den Ball einmal habe, kann man mir ihn nur ganz schwer abnehmen. Außerdem setzen mich meine Mitspieler extrem gut in Szene, kennen meine Laufwege in- und auswendig. Ich hatte neben Breakdance von 1996 bis 2001 auch sechs Jahre lang beim VfL Rheinhausen im Verein Basketball gespielt. In meinen jüngeren Jahren attestierten mir meine ehemaligen Trainer die Athletik eines Profis.
Warum haben Sie dann bei Ihrer Torgefährlichkeit nie höherklassig gespielt?
Altun: Ich habe gerne gefeiert, mein Leben genossen, wollte mich nicht einschränken lassen. Ich hatte sogar Angebote aus der Landes- und Oberliga, spiele aber lieber mit meinen Freunden zusammen.
Wie lauten Ihre Saisonziele mit dem ESV Hohenbudberg?
Altun: Ich hatte mit dem ESV Hohenbudberg bereits zwei Jahre in der Bezirksliga gespielt. Es wäre cool, wenn wir in der nächsten Saison aufsteigen und ich noch einmal dort spielen könnte. Am Ende entscheidet das aber meine Frau Leandra, ob sie mich noch von der Leine lässt. (lacht)
