Oberligakicker Kingsley Marcinek: Millionen Klicks auf TikTok
Ein kurzer Pass zu seinem Kumpel Yves, ein Blick auf den Kasten - und Kingsley Marcinek zirkelt den Ball wunderschön in den Winkel. Danach Jubel, lachen und abklatschen. Acht Sekunden dauert das Video nur, der Kommentar dazu: "Ich will doch nur einmal im Spiel so." Tausenden Nutzern gefällt das. Als Kingsley Marcinek vor ein paar Jahren seinen ersten Clip dreht und auf Social Media teilt, ahnt er nicht, dass das Ding viral gehen würde. Heute hat der 24-Jährige, der seit dem 1. Januar für den SV Schermbeck in der Oberliga Westfalen aufläuft, auf TikTok eine halbe Million Follower. Im Interview mit FUSSBALL.DE verrät der Deutsch-Ghanaer das Geheimnis seines Erfolges.
FUSSBALL.DE: Kingsley, wie kam es dazu, dass Sie mit Fußballvideos auf Social Media so durchgestartet sind?
Kingsley Marcinek: Das war ein bisschen zufällig. In der Coronazeit haben wir uns mit ein paar Kumpels auf dem Platz getroffen und dabei ein bisschen mit dem Handy aufgenommen. Das haben wir auf meinem TikTok-Account geteilt, und das ist dann gleich viral gegangen. Ich wusste erst gar nicht, was los ist, warum wir plötzlich so viele Reaktionen auf unser Video bekommen haben.
Haben Sie etwas Besonderes auf dem Platz gemacht, oder warum ist der Beitrag auf Anhieb so erfolgreich geworden?
Marcinek: Ich denke, das liegt an unserer Art. Wir sind immer sehr lustig, kommen authentisch und sympathisch rüber. Wir albern und lachen viel, geben uns gegenseitig Sprüche. Wir reden viel, aber immer mit gegenseitigem Respekt. Das kommt bei der Community offenbar sehr gut an.
<h4>"Die Videos auf TikTok haben mir im Fußball viele Türen geöffnet"</h4>
Denken Sie sich vorher eine Art Drehbuch aus, oder passiert das meiste spontan?
Marcinek: Ich habe immer ein paar Ideen, der Rest ergibt sich aus der Situation. Es hängt auch davon ab, mit wie vielen Leuten wir auf dem Platz sind. Das sind mal drei, manchmal aber auch sechs Kumpels. Es gibt so Klassiker wie Lattenschießen vom Sechzehner, aber manchmal machen wir auch nur Quatsch, oder ich lade ein Video hoch, wie ich mit meinem jüngeren Bruder Prince FIFA zocke.
Was sagen Ihre Mitspieler oder Gegenspieler zu Ihren Videos? Ist das ein Thema auf dem Platz?
Marcinek: Viele kennen die Beiträge und ich hoffe, die meisten finden es auch gut, aber das muss man auseinanderhalten. In der Oberliga, wie jetzt in Schermbeck oder bei meinen vorherigen Stationen wie KFC Uerdingen, Türkspor Dortmund oder VfB Homberg, geht es schon um etwas. Da musst du Leistungen auf dem Platz zeigen, in jedem Training, in jedem Spiel. Die Videos für TikTok sind ein anderes Thema, aber dadurch bin ich bekannt geworden, was mir im Fußball viele Türen geöffnet hat.
Erzählen Sie bitte!
Marcinek: Mein Traum war es, Profifußballer zu werden. Das habe ich zwar nicht erreicht, aber durch meinen Erfolg auf TikTok durfte ich in den Profifußball hineinschnuppern und schon einige große Klubs in verschiedenen Ländern kennenlernen. Das war sehr spannend, ich war bei Chelsea in London eingeladen und saß im Santiago Bernabeu in Madrid, habe Fußball-Legenden wie unter anderem Michael Ballack getroffen und einen Star wie Théo Hernández. Das hat mich sehr beeindruckt. Und Benjamin Henrichs von RB Leipzig fand meine Beiträge wohl auch sehr cool, er hat mich sogar selber auf Social Media kontaktiert.
Und was steht als nächstes an?
Marcinek: Für die WM habe ich einige Projekte geplant, die dann auch auf YouTube und Twitch laufen sollen. Darauf freue ich mich schon, das wird eine interessante Zeit. Aber jetzt gilt es erst einmal, mit dem SV Schermbeck in der Oberliga unten rauszukommen. Ich bin nach meinem Wechsel vom KFC Uerdingen nach Schermbeck dort sehr gut aufgenommen worden und hoffe, dass ich jetzt auf mehr Spielpraxis komme.
