Konzepte gegen träge Kinder und frustrierte Lehrer
Eine Fortbildung des DFB und ihre Folgen. Sebastian Kath hat sich von der Schule des Kleinfeldfußballs und der Trainingsphilosophie Deutschland schnell anstecken lassen. Der Lehrer für Sport und Mathe hat an seiner Schule in den vergangenen Monaten ein besonderes Angebot eingeführt, das sich bei Schülerinnen und Schülern großer Beliebtheit erfreut und an jedem Schultag in jeder Pause 60 bis 70 Kinder sportlich bewegt. Ein Best-Practice-Beispiel im Jahr der Schule des DFB und seiner Landesverbände.
FUSSBALL.DE hat mit der umtriebigen Lehrkraft der Oberschule Lachendorf über seine Erfahrungen, die Macht der Einfachheit und darüber gesprochen, warum das ausgebaute Sportangebot nicht nur den Kindern, sondern auch den Lehrkräften gut tut.
FUSSBALL.DE: Herr Kath, was steckt hinter der bewegten Pause der Oberschule Lachendorf?
Sebastian Kath: Vor über zehn Jahren habe ich an einer anderen Schule den Ansatz der bewegten Pause kennengelernt. Die Schulturnhalle wurde damals geöffnet, ein Ballwagen stand bereit und die Schüler konnten einfach auf den Korb werfen. Bewegungsintensiv war das nicht. Dann habe ich im vergangenen September die Fortbildung von Hannes Wolf zur Schule des Kleinfeldfußballs am DFB-Campus besucht. Ich kannte vorher schon die Trainingsphilosophie Deutschland, weil ich Jugendtrainer in einem Verein bin. Aber das nun vom DFB adaptierte Konzept für die Schule hat mir gezeigt, wie ich das Ganze auch in meinem Beruf mit wenigen Mitteln und einfachen Materialien umsetzen kann. Ich bin damit zur Schulleitung gegangen und habe dort Rückendeckung bekommen, dass wir es ausprobieren.
Und wie sieht das an Ihrer Schule in der Praxis aus?
Kath: Wir haben in beiden großen Pausen die Turnhalle offen, dort sind verschiedene Kleinspielfelder für das 3 gegen 3 aufgebaut. Insgesamt sind es in der Regel neun bis zehn Felder, sechs für Fußball, zwei für Handball, ein bis zwei für Basketball. Da wir nicht so viele Minitore haben, nutzen wir viele Bänke als Tore - oder auch Hütchen und Stangen. Statt Körben nehmen wir auf dem Basketballfeld umgedrehte Turnkästen. Bei der Größe der Felder orientieren wir uns etwa an den eingezeichneten Badmintonfeldern.
Mehr zum Thema Schule und Fußball: www.dfb.de/schule
Das ist die Schule des Kleinfeldfußballs
Wie ist die Resonanz?
Kath: Anfangs waren es 25 bis 30 Kinder pro Pause, jetzt haben wir uns bei 60 bis 70 eingependelt. Teilweise sind es sogar bis zu 80. Ein Drittel davon sind Mädchen, dieser Anteil ist ziemlich stabil. Sie finden sich dann auch oft in eigenen Feldern zusammen, um sich richtig entfalten zu können. Zunächst hat sich das Angebot auf die 5. Klasse beschränkt, mittlerweile ist es auch für die 6. Klasse offen. Bisher höre ich nur Gutes. Die Kinder können sich auspowern und haben Spaß. Mittlerweile hat sich bei ihnen schon der Spruch verselbstständigt: "Gehst Du auch Bewegte?" (lacht)
Wie läuft es organisatorisch?
Kath: Alle wissen, es wird nur 3 gegen 3 gespielt. Dieser feste Rahmen ist extrem wichtig. Sonst wird einfach gebolzt, das verschreckt dann wieder viele. Ich betreue die bewegte Pause mit drei Kollegen, dazu kommt eine FSJlerin, die uns bei der Aufsicht unterstützt. Wir stellen fest, dass durch das Angebot weniger auf dem Schulhof los ist, wir haben weniger Konflikte. Das wiederum entlastet die dortige Aufsicht. Außerdem binden wir Neuntklässler als Spielfeldbegleiter ein.
Was sind wichtige Faktoren aus Ihrer Sicht?
Kath: Ich halte einen geschlossenen Raum für wichtig, um Struktur und Ordnung zu behalten. Sonst gibt es Chaos. Und wie gesagt: Es muss klar sein, dass nur 3 gegen 3, 4 gegen 4 oder auch 2 gegen 2 gespielt wird. Einfachheit ist für mich unabdingbar. Darum sollte es auch ein tägliches, offenes Angebot sein. Für die Kinder muss klar sein: Es ist Pause, ich kann in die Halle. Sie brauchen nicht überlegen, sie müssen sich nicht separat anmelden. Der letzte Punkt: Die Betreuung durch die Lehrkräfte sollte nicht auf zu viele Schultern verteilt werden. Ein kleines Kernteam von drei bis fünf Personen sorgt für mehr Kontinuität und Verlässlichkeit im Sinne der Kinder.
Sie sind Feuer und Flamme für das DFB-Konzept mit der Schule des Kleinfeldfußballs und der Trainingsphilosophie Deutschland. Was überzeugt Sie besonders daran?
Kath: Wir haben damit vor allem das einzelne Kind im Blick, das es sich entfalten und entwickeln kann. Die Kinder haben Freude, gleichzeitig ein sportliches Mit- und Gegeneinander, dazu hochdosierte körperliche Bewegung. Das ist umso wichtiger, da sich viele Kinder bei uns neben dem bisschen Sport in der Schule kaum intensiver bewegen.
<h4>"Einfachheit ist für mich unabdingbar"</h4>
Machen Sie in ihrer bewegten Pause auch negative Erfahrungen?
Kath: Natürlich gibt es immer noch Konflikte. Diese besprechen wir. Bei fehlender Einsicht seitens der Schülerin oder des Schülers erfolgen auch kurzzeitige Ausschlüsse. Das betreffende Kind darf dann erst in der nächsten Pause oder am nächsten Tag wiederkommen. Aber insgesamt überwiegt bei weitem das Positive. Ich merke das auch an mir selbst.
Inwiefern?
Kath: Mit dem Sportunterricht und dem Pausenangebot bewege ich nun täglich bis zu 100 Kinder. Das macht etwas mit mir und ist als Lehrer ein tolles Gefühl. Ich merke auch, dass ich von den Schülerinnen und Schülern positiver wahrgenommen werde.
Also können Sie Kolleginnen und Kollegen anderer Schule nur raten, ähnliche Angebote zu machen?
Kath: Absolut. Natürlich immer abhängig von den Rahmenbedingungen an der jeweiligen Schule und daran angepasst. Wir versuchen nun auch, die Konzepte weiter in unsere Region zu tragen und Partner zu finden, sind dazu in aussichtsreichen Gesprächen. Außerdem denken wir darüber nach, die bewegte Pause an unserer Schule auszubauen und ein Angebot für die 7. Klasse auf dem Pausenhof zu schaffen. Da werden gerade mögliche bauliche Anpassungen geprüft, um abgetrennte kleine Spielfelder zu ermöglichen.
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Für Rückfragen zur Schule des Kleinfeldfußballs steht Dir das DFB-Team zur Verfügung unter: schule@dfb.de
Willst Du mehr zur bewegten Pause und dem Konzept in Lachendorf wissen, ist der Kontakt: dreixdrei@obslado.de
