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Für mehr Sport und Bewegung an der Schule! Das ist Motto und Ziel zugleich im Jahr der Schule, der Initiative des DFB und seiner Mitgliedsverbände. Wichtigster Baustein: Die Schule des Kleinfeldfußballs, das vom DFB-Kompetenzteam um Hannes Wolf erarbeitete Konzept, das einen vereinfachten Zugang zu Ballsportangeboten ermöglichen soll, passend zugeschnitten auf die Bedingungen im schulischen Alltag. In diesem Zuge intensivieren der DFB und die Landesverbände ihre Fortbildungen für Lehrkräfte und wollen diese bundesweit ausbauen. Ein weiteres Highlight wurde dabei nun in Stuttgart gesetzt. 

Mehr als 300 Lehrkräfte begrüßten der Württembergische Fußball-Verband und der DFB in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) in der Porsche Arena, um sie mit den Prinzipien und Mehrwerten der Schule des Kleinfeldfußballs vertraut zu machen – nur wenige Stunden, ehe an gleicher Stelle der Anpfiff zum Länderspiel der deutschen Futsal-Nationalmannschaft gegen England ertönte. 30 Drittklässlerinnen und Drittklässler der Stuttgarter Merz Schule tummelten sich auf vier kleinen Spielfeldern, aufgeteilt in zehn Teams, acht pro Durchgang in Aktion, zwei als Spielfeldbegleitungen, um die Bälle schnell wieder ins Spiel zurückzubringen.

"Einfachheit ist der Schlüssel" 

Intensität ist eines der markantesten Merkmale der kleinen Spielformen. Ein weiteres: Maximale Partizipation. Alle Kinder sind in Bewegung, alle machen mit, alle haben Ballaktionen und Erfolgserlebnisse. Das Konzept setzt auf der Trainingsphilosophie Deutschland auf und wird in die Schule übersetzt. "Das 3 gegen 3 ist kein Zaubermittel, aber es ist die beste Möglichkeit für Kinder, Sport zu treiben. Denn nur Spielen bildet Ganzheitlichkeit ab", sagt Hannes Wolf und betont: "Einfachheit ist der Schlüssel, vor allem in der Organisation, damit die Umsetzung leicht möglich ist."

Die klare Botschaft des DFB-Direktors für Nachwuchs, Training & Entwicklung: "Die Kinder müssen mehr spielen, wir Erwachsenen weniger reden." Bei den teilnehmenden Lehrkräften trafen Wolfs Worte auf offene Ohren und große Zustimmung. Selbst bei denen, die zuvor eher skeptisch waren.

Britta Ibert ist an einer Realschule in Nöttingen tätig, "eine Sportlehrerin der alten Schule", wie selbst sagt, beruflich geprägt von klassischen methodischen Übungsreihen, die großen Wert auf die weitgehend isolierte Vermittlung von Technik legen. "Ich dachte mir heute erst: Und das ist alles? Ein paar Felder aufgebaut und einfach nur 3 gegen 3?", gab sie später zu, um festzustellen: "Mir haben die Eindrücke letztlich gut getan. Wir stellen stärker den Spaß und die Freude an der Bewegung in den Vordergrund."

Das hält auch ihr Kollege Danyal Rasuly für entscheidend. "Sport ist nicht ständiges Erklären, Sport ist machen", sagt der Lehrer der Gemeinschaftsschule Gärtringen. Entsprechend positiv sieht er das Jahr der Schule. "Wir brauchen dringend mehr Bewegung für Kinder. Meine Aufgabe als Sportlehrer ist es, Wege dorthin aufzuzeigen. Ich habe hier sehr guten Input bekommen, die Spielformen auf kleinen Feldern lassen sich in der Schule sehr gut umsetzen, selbst wenn man nur wenig Platz hat."

Glückliche, bewegte Kinder sind der wichtigste Treibstoff 

Schon morgens waren weitere 60 Grundschulkinder über den Hallenboden der Porsche Arena gewirbelt. Knapp zwei Stunden war freies Spielen angesagt. Ob sie gelacht hätten, wurden sie anschließend gefragt. Ob sie geschwitzt und Spaß gehabt hätten? Hatten sie alle. Und Tore erzielt? Fast alle.

Glückliche, bewegte Kinder, dazu motivierte Lehrkräfte – das ist der Treibstoff für das Jahr der Schule. Dazu der Ausbau von Kooperationen von Vereinen und Schulen sowie grundsätzlich verbesserte Rahmenbedingungen, die Schulen den Raum für mehr Bewegungsangebote eröffnen. "Wir brauchen ein gutes Sportangebot in unserer Gesellschaft", sagt Hannes Wolf, "das ist ein wichtiger Teil des Großwerdens."

Darum tourt der frühere Bundesliga-Trainer mit seinem DFB-Kompetenzteam, aus dem ihn Daniel Stredak in Stuttgart unterstützte, durch ganz Deutschland, schult Trainer*innen in Amateurvereinen und nun auch Lehrkräfte, tauscht sich mit Profivereinen aus, knüpft Netzwerke – alles, um den Nachwuchs zu bewegen und das System. "Da müssen wir hartnäckig sein", unterstreicht Wolf, und immer wieder laut werden."

Autor*in
Autor/-in: Jochen Breideband