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Gelebte Integration beim SC Baris Müllheim

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Der SC Baris Müllheim aus dem Südbadischen Fußballverband zeigt seit vielen Jahren eindrucksvoll, welche zentrale Rolle der Amateurfußball bei der Integration von Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen spielt. Einige einheimische Spieler bilden die Basis des Teams, doch darüber hinaus sind alle willkommen, die über den Sport Anschluss finden möchten. Die gemeinsame Sprache ist der Fußball - Herkunft, Religion oder sexuelle Orientierung spielen keine Rolle. Entscheidend ist allein, gemeinsam auf dem Platz zu stehen, Freude zu teilen und Teil einer starken Gemeinschaft zu sein.

Der Vereinsname selbst ist Programm. "Baris" bedeutet auf Türkisch "Frieden" und "Versöhnung". Genau diese Werte prägen den SC Baris Müllheim seit seiner Gründung im Jahr 1994. Damals schlossen sich Menschen mit türkischen Wurzeln zusammen, viele von ihnen Aleviten und Sunniten, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen hatten. Während diese religiösen Gruppen in der Türkei immer wieder Konflikten ausgesetzt waren, fanden sie in Deutschland über den Fußball zueinander. Der SC Baris Müllheim wurde zu einem Ort, an dem Differenzen keine Rolle spielten - und an dem der Fußball Brücken baute, die im Alltag zuvor kaum denkbar gewesen wären.

Gökan Mordogan, seit neun Jahren im Verein und Kapitän der ersten Mannschaft in der Kreisliga B, beschreibt die Haltung des Klubs klar: "Bei uns ist jeder willkommen, der Bock auf Fußball hat. Herkunft, Glaube und diese ganzen Aspekte sind unwichtig, wenn der Ball rollt. Wir wollen gemeinsam kicken und Spaß haben. Alles andere hat bei uns keinen Platz."

"Wir sind füreinander da, jeder für jeden"

Dieses Selbstverständnis zeigt sich besonders dann, wenn neue Spieler dazustoßen - häufig Menschen, die aus Kriegs- oder Krisengebieten nach Deutschland geflüchtet sind. Mordogan kümmert sich manchmal auch persönlich um sie, begleitet sie in den ersten Wochen und unterstützt, wo er kann: "Wir sind füreinander da, jeder für jeden. Ganz aktuell hatten wir jemanden aus dem Senegal, der praktisch ohne alles bei uns ankam. Da haben wir sofort zusammengelegt und ihm geholfen. Ich habe ihm mein altes iPhone geschenkt, das ohnehin nur in der Schublade lag."

Der Fußball ist hier für viele dieser Menschen weit mehr als nur ein Sport. Er bietet Zugehörigkeit, Orientierung und ein Stück Normalität. Zwei gemeinsame Trainingseinheiten in der Woche und die Spiele am Wochenende sind feste Ankerpunkte. Noch wichtiger ist das Miteinander außerhalb des Platzes: gemeinsame Abende, Ausflüge, Unterstützung im Alltag und echte Freundschaften. Der Zusammenhalt beim SC Baris Müllheim trägt den Verein - und lässt Integration ganz selbstverständlich gelingen.

<h4>"Für mich ist der SC Baris Müllheim viel mehr als ein Fußballverein. Wir sind Integrationshelfer"</h4>

Vereinsvorsitzender Ilhan Durmus, für viele die "gute Seele" des Klubs, begleitet diesen Prozess seit Jahren. "Viele, die zu uns kommen, sind neu in Deutschland und erstmal völlig überfordert“, sagt der 58-Jährige. "Ich unterstütze sie bei Behördengängen, helfe bei Formularen, vermittle Arbeitsstellen oder Unterkünfte. Für mich ist der SC Baris Müllheim viel mehr als ein Fußballverein. Wir sind Integrationshelfer."

Dieses Engagement geht weit über das übliche Maß hinaus - und es zeigt die enorme gesellschaftliche Bedeutung, die Ehrenamtliche im Amateurfußball tragen. Menschen wie Durmus oder Mordogan leisten unzählige Stunden freiwilliger Arbeit. Sie bauen Brücken, geben Halt, vermitteln Werte, schenken Nähe und schaffen Perspektiven. Ohne solche Strukturen wäre Integration in dieser Form kaum möglich.

Der SC Baris Müllheim steht damit stellvertretend für viele Amateurvereine in Deutschland, die tagtäglich beweisen: Fußball ist mehr als ein Spiel. Er verbindet Menschen, stärkt Gemeinschaft, überwindet Grenzen und prägt unsere Gesellschaft positiv. In Zeiten, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt oft herausgefordert wird, zeigt der Amateurfußball, was möglich ist, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Türen weit öffnen.

"Wir versuchen vorzuleben, was den Fußball so besonders macht - er ist ein Zuhause für alle, die gemeinsam etwas bewegen wollen", sagt Durmus: "Und er erinnert uns daran, wie wichtig Ehrenamt und gelebte Solidarität für ein friedliches Miteinander sind." Der SC Baris Müllheim ist damit nicht nur sportlich aktiv, sondern ein starkes Beispiel für gelebte Integration und das Potenzial des Amateurfußballs in Deutschland.

Autor*in
Autor/-in: Martin Schwartz