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FC Rheinsüd Köln:

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Wo der Mädchenfußball wirklich boomt: Kaum ein Verein dürfte im weiblichen Nachwuchsfußball so stark aufgestellt sein, wie der FC Rheinsüd Köln. Allein bei den D-Juniorinnen ist der Verein mit drei Mannschaften im Spielbetrieb dabei - aufgrund der Anzahl der Spielerinnen könnte es locker vier oder fünf Teams sein. Besonders auch: Keine der drei Mannschaften hat nach der Hinrunde ein Spiel verloren. Die gemeinsame Bilanz ist 16 Siege, drei Unentschieden, keine Niederlage. Wieso strömen die Mädchen zu dem Verein, um dort Fußball zu spielen? Was können andere Klubs lernen? FUSSBALL.DE hat die drei Trainer*innen der drei D-Juniorinnenteams zum Interview über starken Mädchenfußball zusammengebracht.

FUSSBALL.DE: Ute Scheven, Alexander Philippi, Sebastian Zander, Sie sind Trainerin beziehungsweise Trainer der D-Juniorinnen des FC Rheinsüd Köln. Warum wollen so viele Mädchen bei Ihnen Fußball spielen?

Ute Scheven: Da kommen sicher verschiedene Faktoren zusammen. Ein wichtiger Grund ist das große Einzugsgebiet. Wir sind im Kölner Süden sehr präsent. Es hat sich herumgesprochen, dass wir uns hier stark im Mädchenfußball engagieren.

Alexander Philippi: Wir merken sehr stark, dass Mädchen, die bei uns Fußball spielen, immer wieder auch Freundinnen mitbringen, die ebenfalls bei uns spielen wollen. Letztlich ist das ein gutes Zeichen für die Arbeit aller Beteiligten, dass das funktioniert.

Sebastian Zander: Wir haben derzeit drei Mannschaften bei den D-Juniorinnen. Aber wir versuchen, den Teamgedanken hochzuhalten und möglichst viel gemeinsam zu machen. Beispielsweise feiern wir zusammen Karneval oder organisieren immer kurz nach den Sommerferien für die gesamte Mädchenabteilung U 11 bis U 17 ein großes dreitägiges Trainingslager.

Bei einem Kreis von 60 bis 70 Mädchen in dieser Altersklasse dürfte das Leistungsgefälle recht groß sein. Manche sind länger dabei, andere fangen gerade erst an. Wie bekommen Sie das organisiert?

Zander: Unser Anspruch ist es, allen Mädchen möglichst viel Spielzeit zu geben. Gerade auch denen, die vielleicht noch nicht so weit sind. Nur wenn sie spielen, werden sie besser und haben Spaß. Fußball ist ein Mannschaftssport. Wir sind ein Team. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. In erster Linie wollen wir zusammen Spaß haben. Wenn dann das Ergebnis noch stimmt, ist das umso besser. Wir machen das alle, weil es unser Hobby ist. Hier geht es nicht um die deutsche Meisterschaft oder den Gewinn der Champions League. Wir können Staffelsieger werden. Mehr aber auch nicht.

Philippi: Ich will gerne mal ein konkretes Beispiel nennen, wie ich das Training organisiere, um besseren und schwächeren Spielerinnen gerecht zu werden. Ich bilde immer wieder Gruppen im Training - mal die stärkeren Spielerinnen in einer und die schwächeren in der anderen, aber manchmal auch gemischt. Mir ist es wichtig, dass sich alle mitgenommen fühlen, niemand wird ausgeschlossen, niemand wird überfordert. Je individueller wir das Training gestalten können, desto besser.

Beschreiben Sie doch bitte mal beispielshaft die Struktur einer solchen Trainingseinheit.

Philippi: Wir starten das Training mit einem gemeinsamen, spielnahen Aufwärmen. Anschließend arbeiten die Spielerinnen für 20 bis 30 Minuten in kleinen, leistungsgerechten Gruppen, um gezielt und möglichst individuell an Schwerpunkten zu arbeiten. Danach führen wir alle wieder zusammen und wenden die Inhalte in alters- und leistungsgerechten Spielformen an. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Cool-Down.

Wie bekommen Sie es organisiert, sich im Training um mehrere Gruppen gleichzeitig zu kümmern?

Philippi: Dieses Modell funktioniert vor allem dann gut, wenn das Training von mindestens zwei Trainerinnen beziehungsweise Trainern begleitet wird. So können die einzelnen Gruppen gezielt betreut und individuell gefördert werden. Wenn man mal allein ist, zeigt meine Erfahrung, dass man sich als Trainer dann auf die schwächere Gruppe konzentrieren sollte. Die weiter fortgeschrittenen Spielerinnen sind in der Regel in der Lage, bekannte Übungsformen selbstständig umzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Zander: Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Junior-Coach-Konzept gemacht. Das bedeutet, dass wir Spielerinnen aus älteren Jahrgängen dazu animieren, die Trainerinnen und Trainer der jüngeren Spielerinnen zu unterstützen. Bei uns funktioniert das super. Wir haben alle zwei Junior-Coaches an unserer Seite, die uns Arbeit abnehmen und selbst viel lernen. Und für unsere Spielerinnen ist das sowieso perfekt.

<h4>"Die Junior-Coaches profitieren davon, wenn sie früh Verantwortung übernehmen und in die Trainerrolle schlüpfen"</h4>

Klingt nach einem Win-Win-Konzept.

Scheven: Definitiv. Der Verein hat einen Junior-Coach-Koordinator installiert. Diese Person kümmert sich darum, dass das Konzept, das meine beiden Kollegen gerade beschrieben haben, aus der Theorie in die Praxis überführt wird. Konkret: Er spricht ältere Spielerinnen und Spieler an und motiviert sie, sich bei den jüngeren Jahrgängen einzubringen. Das entlastet nicht nur die Haupttrainerin beziehungsweise den Haupttrainer und sorgt dafür, dass wir die Einheiten je nach Leistungsstand gezielt aufbauen können. Auch die Junior-Coaches profitieren davon, wenn sie früh Verantwortung übernehmen und in die Trainerrolle schlüpfen.

Zander: Und letztlich sorgt es auch für einen besseren Zusammenhalt innerhalb des Vereins. Es kommt immer wieder vor, dass unsere Spielerinnen sich die Begegnungen der Junior-Coaches anschauen, um diese zu unterstützen.

Philippi: Es ist tatsächlich ein Win-Win-Konzept. Im Vorfeld des Trainings stimme ich mich eng mit meinen beiden Junior-Coaches ab. Sie bereiten jeweils zwei Spielformen vor, von denen eine im Training umgesetzt wird. Ihre Ideen schicken sie mir vorab zu, damit sie inhaltlich und methodisch in das Gesamtkonzept der Einheit passen. Während der Durchführung halte ich mich bewusst zurück und greife nur ein, wenn Unterstützung benötigt wird. Die Junior-Coaches sollen ihre Übungen möglichst eigenverantwortlich leiten und eigene Erfahrungen sammeln. Auch bei Freundschaftsspielen oder Hallenturnieren übertrage ich ihnen immer wieder vollständig die Verantwortung für die Mannschaft. Dieses Vorgehen stärkt nicht nur die Spielerinnen, sondern auch die Junior-Coaches und ist damit ein klarer Gewinn für alle Beteiligten.

Können Sie auch häufiger Training anbieten dank dieses Konzepts?

Scheven: Alle drei D-Juniorinnen-Mannschaften trainieren bei uns dreimal in der Woche. Meiner Meinung nach ist das schon relativ viel. Aber das ist tatsächlich nur möglich, weil wir die Unterstützung haben. Alleine würden wir das nicht schaffen. Wir machen das ja alle ehrenamtlich, weil es uns Spaß macht. Viel Zeit nimmt es natürlich trotzdem in Anspruch.

Zander: Zur Wahrheit gehört aber leider auch, dass wir nur einmal in der Woche auf den Kunstrasen können. Wir müssen deshalb leider auf einen Aschenplatz ausweichen. Teilweise trainieren wir auch auf einer Wiese am Rhein. Optimal ist das sicher nicht. Aber immer noch besser, als gar nicht zu spielen. Ich biete zudem einmal in der Woche ein Athletiktraining an. Da machen wir Ausdauer-, Koordinations- und Stabilisationsübungen auf der Tartanbahn.

Auffällig ist nicht nur die hohe Anzahl an Spielerinnen im D-Jugend-Bereich beim FC Rheinsüd Köln. Alle drei Teams sind zudem nach der Hinrunde ungeschlagen. Wie macht man Mädchen besser? Wie trainiert man Mädchen?

Philippi: Aus meiner Sicht ist eine ausgewogene Mischung aus klaren Strukturen, Verbindlichkeit und Menschlichkeit entscheidend.

Zander: Wir haben immer ein offenes Ohr für die Mädchen. Egal, welches Problem sie haben, sie können uns jederzeit ansprechen.

Scheven: Alle wissen auch, dass sie Fehler machen dürfen. Das gehört zum Fußball dazu.

Zander: Wir wollen eine Vertrauensperson am Rand sein. Ich glaube, dass die Mädels das zu schätzen wissen und gerne zum Training kommen. Bei uns gibt es keine Neckereien oder Gehässigkeiten. Dafür ist bei uns kein Platz, da greifen wir sofort ein. Natürlich darf man sich auf dem Platz mal was sagen, das gehört zum Fußball dazu. Aber der Ton macht die Musik. Es muss also alles im Rahmen bleiben. Wir sind nicht nur Fußballtrainerin und Fußballtrainer, sondern haben auch einen Bildungsauftrag, dem wir gerecht werden wollen. Vor jedem Spiel rufen die Mädels im Kreis immer: "Wir sind ein Team!". Und das muss auch so sein.

Philippi: Mich beeindruckt immer wieder, wie viel die Mädchen auch hinterfragen. Wenn man eine Übung vorgibt, kommt gerne mal die Rückfrage, warum wir das jetzt so und nicht anders machen. Mein Anspruch als Trainer ist es, diese Fragen auch fachlich fundiert zu beantworten. Deshalb bereite ich mich immer sehr gewissenhaft auf die Trainingseinheiten vor und nutze dafür Fachliteratur oder hole mir Input im Internet.

Wie wichtig sind in diesem Zusammenhang auch Fortbildungen?

Scheven: Sehr wichtig. Ich komme nicht ursprünglich aus dem Fußball und bin gerade dabei, mir das Wissen auf verschiedenen Wegen anzueignen. Hinzu kommt, dass meine Tochter schon lange selbst Fußball spielt und mich beim Training unterstützt. Das passt schon gut. Und wenn es doch mal eine Frage gibt, gibt es hier genug Kolleginnen und Kollegen, die gerne helfen.

Philippi: Hinzu kommt, dass der Verein mehrmals im Jahr vereinsinterne Workshops für alle Trainerinnen, Trainer und Junior-Coach anbietet. Das ist eine tolle Sache. Alle Coaches aus unterschiedlichen Bereichen und Altersklassen kommen zusammen und haben einen fachlichen Austausch über Trainingsinhalte, Methodik und Organisation. Im Anschluss lassen wir den Workshop bei einem gemeinsamen Essen und Getränken ausklingen. Das stärkt den Teamgeist.

Zander: Und auch die Kosten für alle externen Fortbildungen – sei es beim Fußball-Verband Mittelrhein oder dem DFB - werden durch den Verein übernommen.

Autor*in
Autor/-in: Martin Schwartz