Drei Generationen, eine Leidenschaft: Die Fußballfamilie Brand aus Trier
Vom früheren Torjäger der Regionalliga über den Vereinsvorsitzenden bis zum Spieler und Nachwuchstrainer: In der Trierer Familie Brand zieht sich die Fußball-Leidenschaft durch mehrere Generationen. Während Opa Horst einst als Angreifer und Trainer Geschichte im Fußball-Südwesten schrieb, engagiert sich Sohn Christian heute beim VfL Trier – und mit Sam und Tom ist bereits die nächste Generation auf und neben dem Platz aktiv.
Die Brands aus Trier verbindet die große Leidenschaft für den Fußball. Opa Horst war in den sechziger und siebziger Jahren ein gefürchteter Torjäger und wirkte später erfolgreich unter anderem als Trainer von Eintracht Trier. Auch seinen Sohn Christian coachte er mal. Dieser wirkt mittlerweile als Vereinsvorsitzender und hatte zuvor wiederum seine beiden Söhne Sam und Tom unter seinen Fittichen. Der Fußball zieht sich wie ein roter Faden durch die Familie, in der auch Mutter Silke eine wichtige Rolle spielt.
Opa Horst hält Regionalliga-Torrekord
Die Fußballgeschichte der Familie beginnt im engeren Sinne bei Horst Brand. Geboren am 1. Januar 1946 in Trier, kam er früh mit dem seinerzeit noch wirklich runden Leder in Berührung. "Meine Mutter war interessiert, meine Brüder haben bei der DJK Porta Nigra gespielt", erinnert sich der heute 80-Jährige. Fußball war damals noch eine andere Welt: "In den Fünfzigern bist du freitags zum Schaukasten gegangen und hast geschaut, ob du spielst. Das war unser Internet damals."
Aus dem fußballbegeisterten Jungen wurde später einer der erfolgreichsten Angreifer des Südwestens. Zwischen 1963 und 1973 absolvierte Brand in der Regionalliga für Eintracht Trier und Borussia Neunkirchen 234 Spiele und erzielte 118 Tore – bis heute Bestwert dieser Spielklasse. Mit Borussia Neunkirchen gewann er 1971 und 1972 die Meisterschaft, dazu kamen Einsätze in den Aufstiegsrunden zur Bundesliga.
Auch als Trainer schrieb Brand Geschichte: In den achtziger Jahren führte er Eintracht Trier zur Meisterschaft in der Oberliga Südwest und in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Besonders in Erinnerung blieb der 3:0-Sieg beim damaligen DFB-Pokalsieger Bayer Uerdingen Ende Oktober 1985. 1990/91 holte er zudem mit Borussia Neunkirchen die Oberliga-Meisterschaft. Einer seiner damaligen Schützlinge: der spätere Weltstar Jay-Jay Okocha.
Mit Okocha im Garten gespielt
Die Verbindung ging über den Fußball hinaus. "Okocha war über Ostern mal eine ganze Woche bei uns zu Gast und hat mit Christian im Garten gespielt", erzählt Horst Brand. "Ganz ruhig, ganz schüchtern, aber ein sehr sympathischer Kerl", erinnert sich Sohn Christian an den späteren Olympiasieger und Afrikameister.
Der heute 48-Jährige wurde früh vom Vater geprägt. Anfangs stand er als kleiner Knirps nur wenige Meter entfernt von ihm, während dieser die Eintracht im Trierer Moselstadion coachte.
<h4>"Du bist der Sohn des Trainers und hältst den Mund"</h4>
Von 1992 bis 1996 spielte Christian in der B- und A-Jugend des FSV Salmrohr und brachte es sogar auf ein halbes Jahr in der ersten Mannschaft. Sein Trainer dort: der eigene Vater. "Das war hart. Klare Ansagen: Du bist der Sohn des Trainers und hältst den Mund. Als 18-Jähriger war ich froh, überhaupt dabei gewesen zu sein", sagt Christian Brand, der später noch bei mehreren Vereinen in der Region Trier spielte.
Neutralität bei Brüder-Duellen
Mit zunehmender Verantwortung im Familienunternehmen – der vom Vater aufgebauten Spedition, die er inzwischen leitet – rückte der Fußball zunächst etwas in den Hintergrund. Über seine beiden Söhne Sam (21) und Tom (19) fand Christian Brand jedoch wieder zurück auf den Platz – genauer gesagt zum VfL Trier. "Am Anfang wurde ich mal mitgezerrt – und bin dann dabeigeblieben", sagt Sam schmunzelnd. Tom begann mit sechs Jahren, Sam sogar schon mit vier Jahren beim VfL.
Unterstützt werden Christian und die beiden Jungs von Ehefrau Silke, die selbst mit dem Fußball groß geworden ist. "Ich bin schon in jungen Jahren mit meinem Vater nach Kaiserslautern auf den Betzenberg gefahren – auch zu Auswärtsspielen", erzählt sie. Sonntage auf dem Sportplatz sind für sie daher selbstverständlich. Den Weg ihrer Söhne begleitet sie von Beginn an: "Ich schaue gerne zu. Es macht einfach Spaß."
Opa Horst verfolgt die Entwicklung seiner Enkel aufmerksam. Torwart Sam, der aktuell meist für die zweite Mannschaft der DJK St. Matthias (Kreisliga B 11) spielt, sowie Verteidiger Tom beim VfL Trier (Kreisliga A7) können sich häufig über seine Unterstützung freuen. "Oft erfahre ich erst am Ende, dass der Opa da war", sagt Sam. "Seitdem ich sie mir regelmäßig anschaue, werden sie auch immer besser", meint Horst Brand mit einem Augenzwinkern. "Er ist unser Glücksbringer", lachen die beiden. In der Vergangenheit haben sie auch schon mal mit der DJK und dem VfL gegeneinander gespielt. Mutter Silke war dabei "um größtmögliche Neutralität" bemüht, wie sie betont.
Kein Sohn-Bonus bei Trainer Christian
Ihr Ehemann Christian selbst begann sein Engagement beim VfL Trier als Bambini-Trainer seiner Söhne, wurde später Jugendleiter und übernahm anschließend sechs Jahre lang Verantwortung beim Trierer Silvesterlauf, um neue Erfahrungen in einer anderen Sportart zu sammeln. Mit der Gründung der Jugendspielgemeinschaft Trier-Süd im Jahr 2020 kehrte er als Funktionär zurück und fungiert dort bis heute als Koordinator. Vier Jahre lang trainierte er zudem ein Team, in dem auch mindestens einer seiner Söhne spielte, und führte es bis in die Rheinlandliga.
<h4>"Ich wollte mir nie nachsagen lassen, dass ich meine eigenen Söhne bevorteile"</h4>
Dabei musste er auch die Herausforderung meistern, Trainer und Vater zugleich zu sein. "Ich habe schon zu hören bekommen, dass ich nur spiele, weil ich Trainersohn bin", erzählt Tom. Doch Christian Brand legte stets Wert auf Fairness: "Bei gleichem Leistungsstand habe ich immer jemand anderen spielen lassen. Ich wollte mir nie nachsagen lassen, dass ich meine eigenen Söhne bevorteile."
Tom trainiert nächste Generation
Mittlerweile ist er seit rund einem Jahr Vorsitzender des VfL Trier und treibt unter anderem das große Projekt voran, den Hartplatz in einen Kunstrasen umzuwandeln. "Wir müssen investieren, um unseren Spielern aus dem Stadtteil Heiligkreuz adäquate Möglichkeiten zu bieten", sagt er. "Meine ganze Jugend habe ich auf Hartplätzen verbracht, auf Rasen ging es erst bei den Herren los. Es ist schon toll, welche Bedingungen es heute immer öfter gibt", ergänzt sein Vater Horst.
Inzwischen tritt mit Tom bereits die nächste Generation auch an der Seitenlinie in Erscheinung. Der 19-Jährige ist im vierten Jahr Jugendtrainer beim VfL Trier und betreut aktuell eine C-Jugend.
Der Fußball ist und bleibt das verbindende Element der Familie Brand. Ob bei Spielen, Vereinsprojekten oder Familientreffen – das Thema ist allgegenwärtig. Und so dürfte auch künftig gelten, was bei den Brands seit Jahrzehnten selbstverständlich ist: Der Ball rollt – von Generation zu Generation.
