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Bayer-Talent Alisa Sinani:

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Alisa Sinani, die vor zwei Jahren noch in der Bezirksliga für Spiel und Sport 1912 Nippes auf Torejagd ging, zeigt sich nach ihrem Wechsel in die Frauen-Regionalliga West äußerst treffsicher. Die 21 Jahre alte Angreiferin war in dieser Saison für die U 23 von Bayer 04 Leverkusen schon 20-mal erfolgreich und darf sich Hoffnungen auf den Gewinn der Torjägerkanone für alle in der 3. Liga machen.

Im FUSSBALL.DE-Interview spricht Alisa Sinani über ihren Lauf, ihr Bundesligadebüt, ihre Tätigkeit als Nachwuchstrainerin und ein mögliches Duell mit Alexandra Popp.

FUSSBALL.DE: In der zurückliegenden Saison hatten Sie bereits durch starke Leistungen beim Absteiger DJK Südwest Köln auf sich aufmerksam gemacht. Haben Sie damit gerechnet, dass es für Sie bei der U 23 von Bayer 04 Leverkusen genauso weitergeht, Frau Sinani?

Alisa Sinani: Bei Bayer 04 bin ich mit Spielerinnen in einem Team, die allesamt technisch und fußballerisch besser ausgebildet sind. Dadurch ist die Qualität um mich herum sehr groß, was sich dann auch in meinen Leistungen niederschlägt. Dass es so gut für mich läuft, hätte ich vorher aber auch nicht gedacht.

Wie kam der Wechsel zu Bayer 04 zustande?

Sinani: Ich hatte im April eine offizielle Anfrage bekommen, habe mich bei Bayer 04 zweimal im Probetraining vorgestellt. Danach war die Sache geritzt. (lacht)

Vor zwei Jahren kickten Sie noch in der Bezirksliga. Müssen Sie sich wegen der Entwicklung, die Sie genommen haben, manchmal selbst kneifen?

Sinani: Dieser Werdegang ist sicherlich ungewöhnlich. Die Trainingsgestaltung bei einem Regionalligisten ist komplett anders als bei einem Bezirksligisten. Durch die höhere Qualität und Intensität der Einheiten wird auch die eigene Leistungsfähigkeit automatisch gesteigert. Davon profitieren ich. Ich bin sehr ehrgeizig, habe noch Ziele vor Augen.

Bei Bayer 04 Leverkusen finden Sie optimale Bedingungen vor. Wie hilfreich ist das für Ihre Entwicklung, und wie groß sich die Unterschiede zu Ihren Vorgängervereinen?

<h4>"Im Grunde treffen zwei Welten aufeinander"</h4>

Sinani: Im Grunde treffen zwei Welten aufeinander. Unser Trainer Mirko Casper sowie der Co-Trainer und Sportliche Leiter Daniel Ziegler sind bei Bayer 04 fest angestellt, können sich praktisch die gesamte Woche rund um die Uhr um uns kümmern. Wir haben Toptrainingsbedingungen, können sogar morgens trainieren, wenn wir wollen.

Mit 20 Treffern nach nur 16 Einsätzen haben Sie jetzt schon zwei Tore mehr erzielt als in der Vorsaison. Wie viele Tore haben Sie sich für diese Spielzeit vorgenommen?

Sinani: Der Erfolg des Teams hat Priorität, schließlich sind meine Torerfolge ein Verdienst der gesamten Mannschaft. Es würde mich sehr freuen, wenn ich noch zehn bis 15 weitere Treffer erzielen könnte. Das hilft automatisch auch dem Team.

Wie sehr haben Sie das aktuelle Ranking für die Torjägerkanone für alle im Blick?

Sinani: Ich habe das Ranking im Blick, liege gleichauf mit Marie Fischer vom 1. FFC Montabaur und Lara Martin vom 1. FC Saarbrücken. Es sind allerdings noch zahlreiche Spielerinnen nur knapp hinter uns. Es wäre natürlich ein Traum, am Ende ganz oben zu stehen.

Sie standen für Bayer 04 in der Google Pixel Frauen-Bundesliga bereits zweimal im Kader, feierten beim 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg als Einwechselspielerin Ihre Premiere. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Sinani: Der Unterschied von der Regionalliga zur Bundesliga ist riesig. Das Tempo ist wesentlich höher, die Spielerinnen sind cleverer und in den Zweikämpfen geht es ganz anders zur Sache. Ich habe mich unglaublich über meinen ersten Einsatz gefreut.

In den zurückliegenden sieben Partien für die U 23 in der Regionalliga erzielten Sie elf Buden. Sehen Sie die Chance, eines Tages fest zum Profikader zu gehören?

Sinani: Es ist auf jeden Fall mein Ziel, in den nächsten beiden Jahren noch näher an die erste Mannschaft heranzurücken. Ich weiß, dass es sehr schwierig wird, weil die Qualität im Team schon sehr hoch ist. Ich bin aber bereit, sehr hart dafür zu arbeiten.

Wie würden Sie Ihre besonderen Qualitäten beschreiben?

Sinani: Ich bin dribbelstark, kann mich durch meine Wendigkeit in Eins-gegen-Eins-Duellen ganz gut durchsetzen. Vor dem Tor bin ich eiskalt, habe einen starken Siegeswillen und kann nur schwer mit Niederlagen umgehen.

In welchen Bereichen müssen Sie sich verbessern?

Sinani: Es gibt im Fußball keinen Bereich, den man nicht verbessern kann. Dazu gehören das Spieltempo, die Schusstechnik oder die Handlungsschnelligkeit. In allen Bereichen kann ich besser werden.

Mit der U 23 belegen Sie aktuell den vierten Tabellenplatz. Was kann man von Ihrer Mannschaft im Saisonendspurt noch erwarten?

Sinani: Wir wollen die Saison möglichst auf Rang drei beenden, uns also noch ein wenig verbessern. Alles, was darüber hinaus geht, nehmen wir gerne mit. (lacht)

In der Meisterschaft hat Ihr Team nur gegen Tabellenführer 1. FC Köln U 21 sowie zweimal gegen Meisterschaftsfavorit Borussia Dortmund verloren. Der BVB hat gerade ab der nächsten Saison Alexandra Popp verpflichtet. Wie gerne würden Sie gegen die langjährige DFB-Kapitänin spielen?

<h4>"Wer will nicht gerne gegen Alex Popp spielen und sich mit den besten Spielerinnen messen?!"</h4>

Sinani: Wer will nicht gerne gegen Alex Popp spielen und sich mit den besten Spielerinnen messen?! Das ist ein Ansporn für alle, darauf hat jeder Bock. Es wäre super, wenn ich mich als Stürmerin einmal mit ihr in einem Spiel messen dürfte. Alex hat viel Erfahrung, geht als ehemalige Nationalspielerin künftig mindestens eine Klasse tiefer an den Start und wird für den BVB die Unterschiedsspielerin sein.

Sie sind 21 Jahre jung, haben sich selbst als "ein wenig fußballverrückt" bezeichnet. Wie meinen Sie das?

Sinani: Mein Tagesablauf ist aktuell sehr vom Fußball bestimmt. Nebenbei bin ich noch als Co-Trainerin der U 19-Junioren beim SC West Köln tätig, die in der Bezirksliga spielen. Wenn es der Spielplan bei Bayer 04 zulässt, dann unterstütze ich am Sonntag auch noch die Herren, die in der Kreisliga A kicken. Demnächst werde ich aber eine Ausbildung zur Versicherungskaufrau beginnen und dann nicht mehr ganz so viel Zeit haben.

Am Sonntag steht das Spiel gegen den Tabellenvorletzten SSV Rhade an. Beim 8:1 im Hinspiel hatten Sie vier Tore erzielt. Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in das Rückspiel?

Sinani: Wir wollen möglichst den dritten Dreier in Folge holen, sind in diesem Jahr noch unbesiegt. Wenn ich meine Torquote aus dem Hinspiel wiederholen könnte, wäre es ein perfekter Tag. (lacht)

Autor*in
Autor/-in: Peter Haidinger/MSPW